Das ist eine sehr gute Frage, denn sie ist gar nicht so eindeutig zu beantworten, wie man beim ersten Blick glauben würde.
Soll eine Fettphase als Berechnungsgrundlage für alle lipophilen Stoffe bestimmt werden? In diesem Falle gälte Maracujas Definition und würde eindeutig z. B. Lecithine (auch wenn sie in Wasser quellen) wie auch Tocopherole (die chemisch zur Klasse der Lipide gehören) zur Fettphase rechnen.
Alternativ könnte man von gewohnten Verarbeitungsschritten ausgehen: wir schmelzen in der Regel Fette und Emulgatoren auf und geben zu einem späteren Zeitpunkt Wasser und andere Ingredienzen dazu. Hier entspricht es unserer Gewohnheit, Fette und »andere Substanzen« zu trennen. Manche bezeichnen diese »andere Phase« als »Wasserphase«. Die Findigeren machen es präzise und definieren eine dritte, nämlich die Wirkstoffphase.
Was macht die Hobbythek? Sie hat vermutlich sehr stark den Begriff der »Fettphase« geprägt, weil die rührige Hausfrau in den 1980ern zunächst eine »Fettphase«, bestehend aus Ölen, Fettalkoholen, Emugatoren usw. auf Vorrat herstellte, von der dann etwas abgenommen und mit Wasser und später mit diversen Wirkstöffchen verarbeitet wurde. Hier ist ein Scan einer Rezeptur aus dem Buch »Natürliche Kosmetik selbst gemacht«:
Dort wird die »Fettphase« explizit genannt (siehe oben), danach ist aber
nicht von Wasserphase die Rede – auch nicht in den anderen Rezepturen. Ich habe interessehalber geschaut, wie in den ersten Kapiteln diese Begriffe besetzt sind: die Fettphase wird auch dort explizit als solche bezeichnet, »Wasserphase« ist die darauf gegebene Menge an Wasser plus eventuell »wasserlösliche[r] Wirkstoffe«. »
Alle anderen Wirkstoffe werden in die handwarme fertige Creme gerührt«, heißt es dort. An anderer Stelle heißt es: »
Erhitzen Sie Fett- und Wasserphase jeweils getrennt …«. Da wir bestimmte Substanzen nicht erhitzen, gehören sie nach dieser Definition auch nicht zu einer expliziten Wasserphase.
Was macht die Kosmetikindustrie? Die spricht interessanterweise in ihren Rahmenrezepturen gar nicht von Fett- und Wasserphase, sondern notiert Phasen im Kontext logischer Verarbeitungsschritte als »Phase A«, »Phase B«, »Phase C« und so weiter und so fort.
Bei dieser Rezeptur zeigt sich, dass ein enger Blick auf bestimmte Anteile an Lipiden oder Emulgatoren als zwingende Bestandteile einer Phase nicht trägt.
Zu Buttern Frage damals (im oben angebenenen Thread) habe ich keine Stellung bezogen, weil ich merkte, dass unsere heute verfügbaren Rohstoffe, aber auch meine (ich nenne es mal ) »professionellere« Beschäftigung mit der Herstellung von Naturkosmetik eine veränderte, zumindest aber eine reflektierte Sichtweise notwendig machen.
Spannend wird ein Blick auf
diese Rezeptur von Spinnrad.de:
»
Herstellung der Wasserphase: Wasser mit Pentavitin®, D-Panthenol,und Kalweg mischen und auf ca. 85 °C erhitzen. Danach die Mischung unter starkem Rühren mit Emulsan II und Xanthan versetzen. Rühren bis alles gleichmässig verteilt ist.«
Emulsan in der Wasserphase? Emulsan in der Wasserphase.
Kurz: ich habe keine unumstößliche Antwort. Alles, was mir mein Wissen bis heute zeigt, ist, dass wir die Begriffe »Fettphase« und »Wasserphase« weitgehend auf den Emulsionsprozess per se beziehen, da wir Fette und Wasser mit Emulgatoren verbinden. Ist es nicht wichtiger zu wissen, wie wir Emulsionen am optimalsten verarbeiten? Wäre es nicht sinnvoller, »Fettphasen« in Zukunft als Anteile lipophiler Bestandteile zu definieren, die sich haptisch und physiologisch deutlich anders anfühlen als wässrige, ansonsten aber von Verarbeitungsphasen zu sprechen? Macht es überhaupt Sinn, sich um die wenigen Prozent zu »streiten«, die Tocopherole, Lipodermin, Gamma-Oryzanol (eindeutig ein lipophiler
Wirkstoff) einnehmen?
Mich würden die Perspektiven aller interessieren, die frisch und unbelastet Definitionen wälzen und nicht direkt »Ganz klar« rufen.

Vor allem, weil dieses »Ganz klar« nach meiner Auffassung durchaus diskussionswürdig wäre.
