Glycerin in Reinigungsmilch

In diesem Unterforum erörtern wir Themen rund um die Entwicklung, Herstellung und Optimierung von Hautpflegeprodukten (inklusive Fehlersuche).

Moderator: Helga

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Beauté
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Glycerin in Reinigungsmilch

Ungelesener Beitrag von Beauté »

Liebe Alle

Ich stelle meine Frage aus dem"Kurze Frage Thread" nochmals hier.

Ich habe eine Reinigungsmilch gerührt. Wie immer wieder empfohlen und beschrieben, mit der hohen Dosis Glycerin - 8 % -, um "die irritierende Wirkung der Tenside zu mildern, bzw. deren Auswascheffekte zu verhindern".

Nur, braucht es für 1 Tropfen, bzw. um 1.5 % Tensid wirklich so viel Glycerin (und wieso im Shampoo oder Duschmittel mit weit höheren Tensiddosierungen nicht)?

Ergänzend:
Z.B. 1.5 % Decylglucosid enthält gerade mal 0.8 % WAS. Rezepturen mit 1 Topfen davon haben gar keine WAS.

Das Emulgatorkonzept könnte allenfalls den Auswascheffekt etwas verstärken. Mit Imwitor / Phospholipon 80H aber eher unwahrscheinlich.

LG - Beauté
Carpe diem!

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Heike
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Ungelesener Beitrag von Heike »

Du musst, wenn du es nicht magst, kein Glycerin nehmen. Je nach Hautsituation wird die Haut auch ohne klarkommen.

Glycerin verhindert sehr effektiv, dass beim Abwaschen der Emulsion feuchtigkeitsbindende hauteigene Substanzen herausgewaschen werden. Auch wenn keine oder nur geringe Tenside vorhanden sind, emulgiert die Emulsion auf der Haut (zu diesem Zeitpunkt sind die Emulgatoren in ihrer molekularen Struktur ja noch intakt) und nimmt Fette, anhaftende Schmutzpartikel usw. bei der Entfernung mit sich. Tenside nimmt man dann hinzu, wenn die reinigende Wirkung der Emulgatoren alleine nicht ausreicht. Grenzflächenaktiv sind beide, Emulgatoren wie Tenside, im Prinzip eine Gruppe, chemisch betrachtet.

Für mich war Glycerin ein Game Changer. Meine stark barrieregestörte Haut war immer schwierig zu reinigen. Gekaufte Reinigungsmilch brannte, juckte, trocknete in der Regel aus. Handgesiedete Seife (ein Geschenk einer langjährigen Siederin damals aus dem Beautykosmos) führte statt zu der versprochenen Verbesserung zu blutig aufgesprungenen Stellen und machte die Haut vollends kaputt. Pflegetechnisch rettete mich Avocadin in meinen Pflegefluids, eine milde Reinigung gelang mir erst mit meinen eigenen Emulsionen – mit Glycerin. Erst als ich in der Literatur vertiefende Informationen las und Zusammenhänge verstand, experimentierte ich mit der Einsatzkonzentration und entdeckte seine unglaubliche Wirkung auf das Hautgefühl und den Hautzustand nach der Reinigung. Heute nehme ich selten mehr als 5 % Glycerin, weil die Haut mittlerweile gesund ist. In meinen »schlimmen« Zeiten waren es teilweise 8 bis 10 % Glycerin. :-) Das Hautgefühl mit viel Glycerin in einer Reinigungsmilch ist … satt, feucht, ich kann es nicht anders beschreiben.
Liebe Grüße
Heike

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Beauté
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Ungelesener Beitrag von Beauté »

Liebe Heike
Vielen herzlichen Dank für Deine Ausführungen :blumenfuerdich: :blumenfuerdich: :blumenfuerdich: !
Ich habe nichts gegen Glycerin, im Gegenteil; alle meine Produkte (ausser einige mit Pigmenten :D) enthalten es. Ich habe mir die hohe Konzentration bei tiefen Tensidanteilen einfach nicht erklären können - ausser ein bisschen das mit den Tensiden. Nun kann ich es :) . Blutig aufgerissen Haut ist ja ein Albtraum; macht mir grad weh :cry: !
Glücklicherweise ist meine Hautbarriere völlig intakt. Aus diesem Grund werde ich meinen Einsatz von 8 % wohl auch etwas reduzieren beim nächsten Mal. Aber wer mag es schon nicht satt und feucht :happy:.
LG - Beauté
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Heike
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Ungelesener Beitrag von Heike »

Beauté hat geschrieben:
Dienstag, 29. Juli 2025, 20:25
Aber wer mag es schon nicht satt und feucht :happy:.
:lach: Ich sag‘ jetzt nichts mehr.
Liebe Grüße
Heike

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Ulrike
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Ungelesener Beitrag von Ulrike »

Ich kann die Beobachtung von Heike bestätigen, auch wenn meine Haut sehr unproblematisch ist und gut mit Tensiden klarkommt. Lediglich Seife mag sie nicht.

Vor ein paar Monaten war ich nur auf der Suche nach einem Hilfsmittel zum Abschminken des Augen-Make-ups - war aber zu bequem, ein eigenes Rezept zu entwickeln. Ich schnappte mir deshalb Heikes Rezeptbuch und habe ein Reinigungsfluid mit (ich glaube) 8 % Glycerin gerührt.

Was soll ich sagen - ich war begeistert. Die Haut fühlt sich wirklich gut gereinigt an und war kein bisschen gereizt. Sonst ruft sie immer nach einer "Creme danach". Auf die könnte ich jetzt schon fast verzichten. Ja, Glycerin ist hier schon sehr gut aufgehoben.
Ein Kaktus ist nichts anderes, als eine sehr gut bewaffnete Gurke!

Cissi
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Ungelesener Beitrag von Cissi »

Heike hat geschrieben:
Sonntag, 27. Juli 2025, 22:35
Glycerin verhindert sehr effektiv, dass beim Abwaschen der Emulsion feuchtigkeitsbindende hauteigene Substanzen herausgewaschen werden.
Liebe Heike,

ich habe hier schon mal die Frage gestellt. Und es anschließend auch selbst getestet. War mir aber beim Ergebnis zwischendurch nie sicher, weil meine Haut gerne auch mal wegen Stress und Hormonen streikt.

Denkst du klappt das mit anderen Glycolen auch so gut wie mit Glycerin?
Herzliche Grüße

Cissi

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Heike
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Ungelesener Beitrag von Heike »

Cissi hat geschrieben:
Dienstag, 26. August 2025, 13:18
Denkst du klappt das mit anderen Glycolen auch so gut wie mit Glycerin?
Ich kenne bisher nur entsprechende Studienergebnisse zu Glycerin.
Liebe Grüße
Heike

Cissi
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Ungelesener Beitrag von Cissi »

Heike hat geschrieben:
Dienstag, 26. August 2025, 17:45
Ich kenne bisher nur entsprechende Studienergebnisse zu Glycerin.
Ja, habe leider sonst auch nichts gefunden. Danke dir trotzdem.
Herzliche Grüße

Cissi

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Beauté
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Ungelesener Beitrag von Beauté »

Cissi hat geschrieben:
Dienstag, 26. August 2025, 13:18
... Denkst du klappt das mit anderen Glycolen auch so gut wie mit Glycerin?
Was ist denn Deine Idee dahinter?
LG - Beauté
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Cissi
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Ungelesener Beitrag von Cissi »

Beauté hat geschrieben:
Mittwoch, 27. August 2025, 18:59
Cissi hat geschrieben:
Dienstag, 26. August 2025, 13:18
... Denkst du klappt das mit anderen Glycolen auch so gut wie mit Glycerin?
Was ist denn Deine Idee dahinter?
LG - Beauté
Verwende sie gerne als Konservierungsboost oder alleinige Konservierung. Und dann habe ich mich eben gefragt, ob es zusätzlich Glycerin dann auch noch braucht.
Herzliche Grüße

Cissi

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Beauté
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Ungelesener Beitrag von Beauté »

Cissi hat geschrieben:
Donnerstag, 28. August 2025, 17:28
... Verwende sie gerne als Konservierungsboost oder alleinige Konservierung. Und dann habe ich mich eben gefragt, ob es zusätzlich Glycerin dann auch noch braucht.
Da müsstest Du Nine mal in diesen Thread locken; sie weiss es bestimmt :D!
LG - Beauté
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Nine
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Ungelesener Beitrag von Nine »

Beauté hat geschrieben:
Donnerstag, 28. August 2025, 18:37
Cissi hat geschrieben:
Donnerstag, 28. August 2025, 17:28
... Verwende sie gerne als Konservierungsboost oder alleinige Konservierung. Und dann habe ich mich eben gefragt, ob es zusätzlich Glycerin dann auch noch braucht.
Da müsstest Du Nine mal in diesen Thread locken; sie weiss es bestimmt :D!
LG - Beauté
Habs gelesen, aber irgendwie keine Idee dazu ... Eher umgekehrt: Warum soll man Glykole verwenden, wenn man doch (pflanzliches, Bio - ) Glycerin nutzen kann? Und die andere Assoziation war der Skandal mit gepanschtem Wein, die Älteren mögen sich erinnern ... Diethylenglykol und so ... ;-)

Vielleicht fällt mir morgen mehr ein ;-)
Gruß Nine

Cissi
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Ungelesener Beitrag von Cissi »

Nine hat geschrieben:
Donnerstag, 28. August 2025, 19:00
Beauté hat geschrieben:
Donnerstag, 28. August 2025, 18:37
Cissi hat geschrieben:
Donnerstag, 28. August 2025, 17:28
Habs gelesen, aber irgendwie keine Idee dazu ... Eher umgekehrt: Warum soll man Glykole verwenden, wenn man doch (pflanzliches, Bio - ) Glycerin nutzen kann? Und die andere Assoziation war der Skandal mit gepanschtem Wein, die Älteren mögen sich erinnern ... Diethylenglykol und so ... ;-)
Naja ich glaub mich zu erinnern, dass Heike mittlerweile auch Pentylene Glykol als Konservierer verwendet. Und Propanediol wird auch von sehr vielen Rührqueens hier verwendet. Da hat man sich sogar sehr darum bemüht, dass es vom Drachen aufgenommen wird!
Herzliche Grüße

Cissi

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