Liebe Rührgemeinde,
ich melde mich hier nach längerer Funkstille mal wieder zu Wort. Eine komplette berufliche Neuorientierung hat mir in den letzten Monaten schlicht die Zeit genommen, mich im Forum einzubringen, gerührt und weiterentwickelt habe ich aber durchaus. Meine vorhandenen Rezepturen habe ich über die Zeit immer wieder überarbeitet und aktualisiert, und genau dabei sind Fragen aufgelaufen, auf die ich weder hier in der Rührküche noch auf Olionatura eine direkte Antwort gefunden habe, möglicherweise habe ich auch einfach den passenden Thread bzw. Hinweis übersehen. Falls dem so ist, freue ich mich über jeden Zeigefinger in diese Richtung.
Zum Stand hier im Thread: Aus dem Nachbau ist inzwischen etwas Eigenes geworden. Inzwischen bin ich bei der zehnten Version, die ich Azelain-Complex getauft habe. Gegenüber der zuletzt hier geposteten Fassung hat sich einiges getan:
– aus dem Gel ist eine Emulsion geworden: Siligel raus, dafür eine Ölphase mit Distel-, Jojoba- und Nachtkerzenöl, dazu Phospholipon und Lysogel als Emulgatoren
– Tamanuöl ist raus
– Lipodermin von 15 % auf 8 % reduziert
– PAD von 5 % auf 3 % reduziert
– Propanediol raus, dafür Pentaviten und Natriumlaktat mit in die Lipodermin-Phase
AZELAIN-COMPLEX | SERUM no.10
Phase A
5,0 % Distelöl
3,0 % Jojobaöl
2,0 % Nachtkerzenöl
1,0 % Phospholipon
2,5 % Lysogel
→ alle Komponenten bei 70–75 °C aufschmelzen
Phase B
65,0 % Wasser
→ auf 75 °C erhitzen, in kleinen Portionen zu Phase A geben, danach hochtourig rühren
Phase C1
1,0 % Dipotassium Glycyrrhizate
→ unter 60 °C in Phase A|B einarbeiten
Phase C2
3,0 % Potassium Azeloyl Diglycinate
→ bei ca. 40 °C unterrühren
Phase D
8,0 % Lipodermin
2,0 % Glycerin
2,0 % Pentaviten
1,0 % Natriumlaktat
2,0 % Pentylene Glycol
0,2 % Magnolia-Extrakt
→ Magnolia in Pentylene Glycol lösen. Alle Komponenten mit Lipodermin 10 Minuten hochtourig homogenisieren. Phase D schluckweise in Phase A/B/C sanft unterrühren
Zum Schluss
1,0 % Glycerin
0,3 % Cosphaderm
1,0 % Geogard
Duft
→ konservieren und den pH-Wert mit Milchsäure auf pH 5 korrigieren
Das Serum verwende ich seit über einem Jahr als Abend-Serum und am morgen sieht die Haut erholt aus.
Meine Frage kommt also nicht aus einem Problem heraus, sondern aus dem wiederholten Nachlesen. Manche Passagen erschließen sich mir erst beim dritten oder vierten Mal anders als vorher.
Im Lipodermin-Portrait von Olionatura steht, wasserlösliche Substanzen würden zuerst in Wasser gelöst und dann mit Lipodermin versetzt und hochtourig dispergiert. Genau daran hänge ich: Die Liposomen bilden sich doch erst beim Kontakt mit Wasser und schließen sich dabei. Wenn der Wirkstoff zu diesem Zeitpunkt schon im Wasser verteilt ist – sitzt er dann nicht überwiegend außen, statt eingeschlossen zu werden?
Ich mache es deshalb anders (siehe Phase D): Statt die Wirkstoffe vorher in der Wasserphase zu lösen, gebe ich sie direkt ins Lipodermin und rühre 10 Minuten hochtourig auf; diese Masse kommt danach schluckweise in die fertige Emulsion. Ganz ohne Wasser geht das allerdings nicht, Pentaviten und Natriumlaktat bringen ja welches mit, Glycerin und Pentylene Glycol nicht. Und da beißt sich für mich die Katze in den Schwanz: Zählt so ein wasserhaltiger Rohstoff schon als „in Wasser gelöst"? Bilden sich an dessen Wasser die ersten Liposomen, noch bevor der Rest überhaupt dazukommt?
Ist mein Weg also ein Denkfehler, oder laufen am Ende beide auf dasselbe hinaus?
Und daran hängt die Frage, die mich eigentlich umtreibt: Wie viel Wirkstoff sitzt am Ende tatsächlich in den Liposomen? Eine Zahl dazu finde ich nirgends. Zumal ich das Lipodermin von 15 % auf 8 % reduziert habe, verkapsele ich damit nur noch halb so viel, oder lässt sich das gar nicht so einfach runterrechnen?
Es scheint, ich habe nach der langen Pause mehr Fragen mitgebracht als Antworten. Vielleicht gibt es hier ja Licht am Ende des Tunnels, über jeden Erfahrungswert, Hinweis oder auch nur eine begründete Vermutung wäre ich dankbar.