Menthol in einem Duschgel

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Moderator: Helga

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Heike
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Menthol in einem Duschgel

Ungelesener Beitrag von Heike »

Test vom 15.04.2007

Ein dezenter Hinweis im Gästebuch ;) trieb mich gestern in die »Rührküche«, um die Anregung aufzugreifen … eine Duschlotion? Duschgel, das ist doch damit gemeint? Warum nicht? Ich muss zugeben, bis vor wenigen Monaten, als mich handgesiedete Seifen als Geschenke erreichten, gab es in unserem Haushalt weder Seife noch Duschgel. Tenside scheue ich nämlich wie der Teufel das Weihwasser. Ich vertrage alle kosmetischen Emulgatoren, aber Seife … nein. Schaum vom Haarshampoo hat bisher zur Körperreinigung ausgereicht, und am Waschbecken stand immer ein wenig verdünntes Shampoo als Seifenersatz.

Nun habe ich jedoch eine Idee. Zwei frisch angesetzte Gele warten auf mich: Flohsamen-Gel und Gel aus Irischem Moos. Letzteres ist eigentlich mein Duschgel-Favorit, aber ich möchte erst testen, daher entscheide ich mich gestern für das Flohsamengel.
Folgende Ideen habe ich:

• Das Duschgel soll sehr mild sein und daher nur einen geringen Tensidanteil aufweisen. Ich meine: wie schmutzig ist ein Mensch der westlichen Hemisphäre unter normalen Bedingungen wirklich? Viel Erfahrung habe ich nicht und entscheide mich daher für eine Kombination zweier sehr milder Tenside, Cocos Glucoside und Sanfteen, beide in recht geringer Einsatzkonzentration. An viel Schaum liegt mir auch nichts.

• Es soll Zusätze enthalten, die die Wirkungen der Tenside mildern und feuchtigkeitsspendend wirken. Sorbit, Glycerin und Weizenprotein (ich habe es pur in Pulverform von Omikron) scheinen mir sinnvolle und geeignete Ingredienzien zu sein. Andere Wirkstoffe sind in einem Rinse off-Produkt wenig sinnvoll.

• Ich möchte Frische! Das Gel muss mehr bieten als Reinigung, es soll einen richtigen Kick geben! Meine Menthol-Kristalle fallen mir ein – die müssten das »bringen«, was mir so vorschwebt.

• Ein wenig Öl wünsche ich mir, um die Reinigungswirkung zu mildern und eine leichte Rückfettung zu erzielen. Wieviel? Muss ich ausprobieren.

• Ein wenig Optik … blaue Lebensmittelfarbe für die Visualisierung unendlicher Meeresfrische, das sollte klappen!

Ich mische also los: das Becherglas mit Flohsamen-Gel kommt auf den Herd (es sind 100 ml, wie die Skala verrät) und wird sanft erhitzt, die Tenside werden hineingerührt (10 gr Cocos Glucoside und 5 gr Sanfteen), 1 gr Weizenprotein aufgelöst (könnten auch mehr sein, denke ich), Sorbit und Glycerin (jeweils 5 gr) sind auch nicht hitzeempfindlich und kommen mit in das Becherglas. Dann folgen 3 gr Mandelöl, zwei Spritzer blaue Lebensmittelfarbe und – vorher in 7 gr Alkohol aufgelöste Mentholkristalle, von ihnen habe ich 3 gr abgewogen, und ein paar Tropfen ätherische Öle (rote Mandarine, Zitrone und Pfefferminze).
So sah das Ganze dann aus:

[img]https://olionatura.de
/images/ruehrkueche/mentholgel.jpg[/img]
Meerblau: Die erste Version meines Duschgels

Nun folgt der Versuch in vivo: Ab unter die Dusche mit dem Gel. Schaum: wenig, aber ausreichend. Konsistenz: nicht flüssig, könnte aber etwas geliger sein. Hautgefühl: angenehm, scheint mild zu sein, und dann kommt der Duft! Die ätherischen Öle und das Menthol steigen nach oben, ich atme durch … superfrisch, das ist wirklich ein Kick! Und dann das Hautgefühl nach dem Duschen: wie es Menthol eben macht, aktiviert es meine Kälterezeptoren und ich steige in einer kühlenden Wolke aus der Duschwanne. Die Haut scheint wie in einen dünnen Eisnebel getaucht (und wer sich an die Temperaturen gestern erinnert, kann sich vorstellen, dass das sehr angenehm war). Dieses wunderbare Gefühl hält noch ca. 20–30 Minuten an und ist sehr angenehm erfrischend. Klasse, der Ansatz ist schon mal gelungen, an diesem Produkt werde ich feilen. Das Gel färbt übrigens in keiner Weise ab. Blau ist nur das Gel.
Was verbesserungswürdig ist, ist eindeutig die Konsistenz; sie muss etwas geliger werden. Weizenprotein und Öl muss ich in der Dosierung testen und sehen, ob eine Höherdosierung ein noch besseres Hautgefühl bringt oder den geringen Schaum vollständig zerstört. ;) Ein Tipp jedoch direkt an dieser Stelle: das Menthol kühlt alles. Alles. Also bitte nicht … gedankenlos delikate Körperstellen gleich mit vereisen.
Ach ja: heute war es noch heißer und ich habe heute dreimal geduscht, natürlich nur aus Testzwecken und mit rein wissenschaftlichem Hintergrund. ;)
Toll fände ich, neben dem nächsten Test mit dem Irischen Moos-Gel, irgend etwas Algiges (Geruch?), zumindest aber etwas Meersalziges aufgelöst darin. Der Geruch könnte noch etwas fruchtiger sein, weniger Pfefferminze, mehr Mandarine. Oder Grapefruit?
Liebe Grüße
Heike

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Ungelesener Beitrag von Heike »

Test vom 17.04.2007

Ich habe das Gel nun zwei Tage in Gebrauch und mag es sehr. Die Reinigungsleistung ist sehr mild, der Kalt-Effekt stark – meine 8-jährige Tochter probierte es aus und fand, dass »es etwas weh tut« – um dann abends direkt noch einmal zu duschen und mir zu sagen, dass das doch richtig toll frisch macht und sie es mag. ;) Meinem Mann ist es zu heftig; er wünscht sich eine etwas sanftere Version. Männer …
Also, liebe Rührerinnen und Rührer, bitte zu Beginn etwas behutsamer dosieren. :) Meine Einsatzkonzentration stammt übrigens aus einer offiziellen Rezeptur mit Menthol; dort wurde es 3%ig dosiert. Die Dosierung in diesem Duschgel ist geringer; sie liegt bei ca. 2 %. Meine ansonsten sehr sensible Haut (wie gesagt, ich muss mit Seife sehr vorsichtig sein) verträgt das Duschgel ohne Probleme. Dennoch werde ich es bei meiner Irisch-Moos-Version etwas geringer dosieren. Mein Mann soll ja auch mal wieder duschen. :-))
Liebe Grüße
Heike

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Ungelesener Beitrag von Heike »

Das Wochenende naht, und es steht eine Optimierung des Duschgels an. Ich habe einen Tensid-Rechner »entworfen«, der es ermöglicht, eine beliebige Rezeptur auf eine gewünschte Konzentration an waschaktiven Substanzen hin zu entwickeln (er wird bald verfügbar sein), und auf dieser Basis habe ich nun das Rezept auf eine Menge von 100ml angepasst. Morgen werde ich Folgendes mischen (auf eine Konzentration an WAS, an waschaktiven Substanzen auf ca. 7 % ausgerichtet, was etwa der Hälfte der üblichen Konzentration entspricht, aber meiner Haut entgegen kommt):

9 gr Kokosbetain
6 gr Kokosglucosid
1 gr Sanfteen
2 gr Mandelöl
1 gr Weizenprotein
2,5 gr Glycerin
2,5 gr Sorbit
0,5 gr Menthol
0,5 gr Meersalz
74,5 gr Irisch Moos-Gel

Lebensmittelfarbe und ätherische Öle habe ich nun nicht gerechnet. Also, dann bis morgen! :)
Liebe Grüße
Heike

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Ungelesener Beitrag von Heike »

Test vom 22.04.2007

So, das Duschgel ist so, wie vorgestern beschrieben, in die Produktion gegangen, diesmal direkt auf 100 gr berechnet (daher ist das Weizenprotein insgesamt höher dosiert).

Zunächst habe ich das Irisch-Moos-Gel bei kleiner Flamme gekocht, 1 EL auf 200 ml Wasser (da Flüssigkeit verdampft und ein wenig Wasser auch in den Pflanzenteilen verbleibt, ergibt das am Ende ca. 120 gr Gel). Ich habe das Menthol noch etwas geringer dosiert (0,5 gr in wenig Alkohol aufgelöst) und 0,5 gr Xanthan ergänzt. Beduftet habe ich es diesmal in einer blumigeren Kombination: 6 Tropfen Mandarine rot, 4 Tropfen Ylang-Ylang und 3 Tropfen Grapefruit. Mit dem Menthol ergibt das einen sehr frischen und »runden« Duft, das Ylang macht den Duftklang zusammen mit der süßen Mandarine etwas weicher, die Grapefruit betont den fruchtigen Akzent. Diesmal habe ich den pH-Wert mit 3 Tropfen Milchsäure auf ca. 5 korrigiert und mit 10 Tropfen Kaliumsorbat konserviert (ich bin da einfach etwas unsicher … wegen des Weizenproteins, denn diesmal ist kaum Alkohol enthalten).

Was soll ich sagen: ein in der Konsistenz angenehm geliges, blaugrünes (weil das gelbliche Irisch-Moos-Gel das Blau ein wenig ins Grünliche verändert), frisch duftendes Duschgel mit sanftem, kleinporigen Schaum (wenig, aber ausreichend). Das Hautgefühl nach dem Duschen ist ebenfalls gut. Die ganze Familie hat nun getestet (daher schreibe ich erst heute) ;), und das einhellige Urteil: klasse! Sogar mein Mann ist sehr zufrieden. :) Die WAS-Konzentration liegt, wie geplant, bei ca. 7 %, das ist sehr wenig und sollte den Bedürfnissen der Haut entgegen kommen. Wie gesagt, ich brauche keine Schaumberge. Kokosbetain hat ca. 50 %, Kokosglucosid 40 und Sanfteen 10 % Anteil an der Mischung. Ich werde es noch einmal mit 3 gr Öl testen und eventuell 2 gr Weizenprotein, dann ist es noch milder.

Fazit: Menthol ist ein toller Zusatz, die Dosierung muss entsprechend angepasst werden. Mir gefällt meine hoch dosierte Variante für heiße Tage sehr gut (die Einsatzkonzentration liegt auch für ein Rinse off-Produkt im Rahmen), ist aber sicher nichts für jeden Tag und jeden Menschen. Ich denke, es ist ein Spezial-Produkt nach dem Sport oder für den intensiven »Frische-Kick« und einem ausgeprägten Kühleffekt. In der geringer dosierten Variante macht Menthol mit dem Irisch-Moos-Gel einfach ein erfrischendes Duschgel. Da muss sich jeder wohl ans eine Dosierung herantasten …
Im direkten Vergleich beider Pflanzengele (Flohsamen und Irisch Moos) ist mein Favorit (neben Quittengel, was wunderbar transparent und homogen ist) eindeutig das Irisch-Moos-Gel. Auch wenn seine gelbliche Tönung es nicht ganz so variabel macht, ist es gegenüber dem Flohsamen-Gel homogener und ergibt einfach ein glatteres Endprodukt. Ich habe heute das Flohsamen-basierte Duschgel noch einmal mit etwas Xanthan angedickt und gut gerührt, nun ist es so, wie ich es mir vorgestellt habe. Flohsamen machen ein wenig mehr Arbeit, dann klappt es auch mit ihnen.

Meine nächste Idee: eine Duschmilch für trockene Haut mit einem höheren Ölanteil an mehr rückfettenden Sustanzen. Ich stehe ja so auf Rosen … übrigens, der Tensid-Rechner ist seit gestern online. :-) Ich habe nicht alle Tenside berücksichtigt, sondern bisher nur die, die mir gefallen bzw. wo meine »Datenlage« ausreicht, um sie einschätzen zu können. Ich werde den Rechner also eventuell erweitern.

Das Rezept steht nun hier: Duschgel »Blue Moss« und es ist Angela gewidmet!
Liebe Grüße
Heike

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